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Wir sind dann mal weg

Große Freiheit, Träume, Flucht, Business? Hinter der Idee in der Fremde sein Glück zu suchen, stehen oft ganz unterschiedliche Gedanken. In jedem Fall braucht man dazu aber Mut.

 

Für viele Menschen ist es schon schwer vorstellbar, für einen neuen Job etwa von Bamberg nach Nürnberg zu ziehen. Manch einer pendelt dann lieber jeden Tag 60 Kilometer hin und zurück, statt mit Kind und Kegel umzusiedeln. An Auswandern in andere Länder, Kulturkreise oder Kontinente ist da gar nicht zu denken. Dennoch ist der Gedanke, sein Gluck im Ausland zu suchen, für manche hochinteressant – was vielleicht auch ein wenig den massenhaft auftretenden Doku-Soaps im Privatfernsehen geschuldet ist. Sind wir nicht alle ein wenig Konny Reimann? Ganz und gar nicht, denn die Grunde, die den Klimaanlagen-Monteur aus Hamburg nach Texas trieben, waren andere als bei den drei Auswanderern aus dem Hause Grenke, mit denen sich Mittelpunkt unlängst in Baden-Baden getroffen hat. War es bei Konny eher eine Sehnsucht nach der Ferne, ist es bei Frank Ziegler, Paulo Alves und Ernest Plej das Verlangen, etwas Neues aufzubauen und Dinge aktiv zu gestalten. Sie haben ihre Heimat zurückgelassen, um neue Markte für Grenke zu erschließen. Im Gepäck hatten sie nichts als Erfahrung, Mut und eine klare Vorstellung davon, was sie erreichen wollen.

 

Mittelpunkt: Was hat Ihre Heimat verbrochen, dass Sie unbedingt wegwollten? Das Wetter kann es bei Ihnen, Herr Alves, ja nicht sein.

 

Paulo Alves: Ganz und gar nicht [Schmunzelt]. Ich möchte sogar behaupten, dass mir das Klima in Portugal fast ein wenig besser gefällt als jetzt in Santiago de Chile. Ich glaube aber, ich spreche hier für uns alle, wenn ich sage, dass wir unsere Heimat nach wie vor sehr schätzen – und hin und wieder natürlich auch vermissen.

 

Ernest Plej: Wenn die Sehnsucht zu groß wird, haben Frank und ich es auch ein wenig leichter, denn wir können mal eben in einigen Stunden nach Hause fahren. Für Paulo sind die mehr als 10.000 Kilometer zwischen Portugal und Chile mit dem Auto nicht zu schaffen,

schon gar nicht in ein paar Stunden.

 
Die Auswanderer Ernest Plej, Paulo Alves und Frank Ziegler (v.l.n.r)

Mittelpunkt: Herr Ziegler, Sie sind ja sogar Wiederholungstäter und haben erneut dem Badischen den Rücken gekehrt.

 

Frank Ziegler: Ich will es mal so sagen: Mir hat es in der Schweiz so gut gefallen, dass ich da gleich zweimal hin ausgewandert bin. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass mein Großvater Schweizer war und ich dieses Land und die Menschen einfach mag. Das und die räumliche Nähe zu meiner Heimat haben es mir natürlich leicht gemacht – und deshalb ist der Begriff „Auswanderer“ in meinem Fall vielleicht ein wenig zu hoch gegriffen. Bei Ernest und insbesondere bei Paolo ist das ganz anders. Daher habe ich größten Respekt vor dem, was sie in Chile und Kroatien aufbauen.

 

Mittelpunkt: Warum gerade Zagreb, Herr Plej?

 

Ernest Plej: Zagreb fiel nicht einfach so vom Himmel, sondern hat sich entwickelt. 2010 bin ich für Grenke zuerst nach Ljubljana in Slowenien gegangen. Das war für mich in doppelter Hinsicht ein Sprung ins kalte Wasser: Einerseits war ich bis dahin in der Schweiz bei einer Unternehmensberatungsfirma tätig und hatte nur lose Anknüpfungspunkte an Grenke. Andererseits wollte Grenke mit mir in den slowenischen Markt eintreten. Ich muss zugeben, das war ein Haufen Arbeit. Innerhalb von vier Jahren haben wir da aber wirklich einiges auf die Beine gestellt. Wir haben auch schon die ersten Kunden aus dem benachbarten Kroatien betreut. Der Schritt nach Kroatien war also gar nicht so groß. Hinzu kommt, dass ich in Zagreb nicht auf mich allein gestellt war – den Standort in Kroatien haben Zdravko Pilić und ich als Zweigespann aufgebaut. Er ist Kroate und kennt das Land, die Besonderheiten und Risiken sehr gut. Deshalb konnten wir die meisten bürokratischen Hürden schnell meistern und rasch ins operative Geschäft einsteigen. 

 

Mittelpunkt: War Ihr Auftrag in Slowenien denn schon erledigt?

 

Ernest Plej: Ja, das Geschäft dort steht auf sicheren Beinen. Ich wollte mir nach der Aufbauarbeit dann selbst beweisen, dass der Erfolg in Slowenien nicht nur Glückssache war. Deshalb habe ich eine neue Herausforderung gesucht.

 

Mittelpunkt: Was hat Sie nach Santiago gezogen, Herr Alves?

 

Paulo Alves: Ich wollte nach den tollen Jahren der Aufbauarbeit für Grenke in Portugal – ich habe die Niederlassung in Leiria eröffnet – etwas Neues, Anderes und Größeres machen. Ich wollte hinaus in die Welt. Und ich wollte meinen Kindern vorleben, dass man die Komfortzone auch mal verlassen muss, wenn man sich weiterentwickeln will. Mittlerweile fühlen wir uns in Chile sehr wohl und haben schon einiges vom Land gesehen.

 

Mittelpunkt: Herr Ziegler, wie kommt es, dass Sie zweimal in die Schweiz gegangen sind?

 

Frank Ziegler: Beim ersten Aufenthalt habe ich für Grenke dort das Leasinggeschäft aufgebaut. Im aktuellen Fall ging es uns darum, ein zweites Produkt – Factoring – auf dem Markt zu platzieren. Als ich das erste Mal in die Schweiz gegangen bin, hatte Grenke Factoring noch nicht im Angebot. Etwas Neues auf den Markt zu bringen, ist immer eine Herausforderung – und bringt Druck mit sich. Viele schreckt allein das Wort „Druck“ ab, aber mich spornt das geradezu an – so kann ich am besten arbeiten und dann macht es mir am meisten Spaß. Hinzu kommt: In gewisser Weise ist die Schweiz ein guter Testmarkt. Wer es hier packt, schafft es in ganz Europa. Das liegt an der Dreisprachigkeit und den damit verbundenen drei Mentalitäten.

 

Mittelpunkt: Wie ist es, in Kroatien, Chile oder der Schweiz Geschäfte zu machen, gerade als Finanzdienstleister?

 

Ernest Plej: Was überall auf der Welt gleich ist: Ein gutes Team ist das A und O. Dazu gehört, dass alle an einem Strang ziehen, sich ständig weiterentwickeln wollen und risikobewusst arbeiten. Auf so ein Team  kann ich in Kroatien setzen. Der kroatische Markt ist stark zentralisiert.Weil die Wirtschaft eng mit dem Staat und der öffentlichen Verwaltung verbunden ist, darf man den administrativen Aufwand nicht unterschätzen. Um dort etwas zu bewegen, braucht man Geduld. Das ist in Deutschland einfacher. Was dort per E-Mail oder Telefonanruf zu regeln ist, funktioniert in Kroatien nur persönlich. Aber: Der Balkan im Allgemeinen und Kroatien im Besonderen bieten sehr viel Potenzial. Die Länder dort gehen immer noch durch eine schwierige Phase, aber die Gesetze und Vorschriften werden derzeit angepasst. 

 

Paulo Alves: Auch in Chile ist unser Geschäft eindeutig „People Business“. Ohne persönliche Kontakte läuft hier nichts, da sind meine Kunden sehr vorsichtig. Wen man nicht kennt, dem traut man nicht. Daher brauchen Sie auch Geduld und zahlreiche Meetings.

 

Frank Ziegler: Die Überzeugungsarbeit in der Schweiz ist kritischer als in Deutschland, dafür ist der Umgangston angenehmer. Auch hier geht viel über Vertrauen, Netzwerkarbeit, persönliche Kontakte, Empfehlungen und Referenzen. Gerade bei dem in der Schweiz noch vergleichsweise unbekannten Factoring und der damit verbundenen Übergabe der Debitoren an einen Dritten. Da tun sich die eher konservativen Schweizer schwer. Aber das ist genau das, was mich reizt. Deshalb ist es auch sehr wichtig, in der Schweiz zu leben – weil einen die Schweizer dann als Geschäftspartner einfach schneller akzeptieren. Als Grenzgänger von Deutschland aus wäre mein Job nur schwer vorstellbar.

 

Mittelpunkt: Würden Sie es noch mal tun? Und wenn ja, wo?

 

Paulo Alves: Hier gibt es noch sehr viel zu tun, daher mache ich mir diese Gedanken noch nicht. In fünf Jahren sehen wir weiter [Lacht].

 

Frank Ziegler: Ja, aber die Auswahl der Länder, die für mich in Frage kommen, ist nicht mehr ganz so groß – im Vergleich zu Paulo und Ernest gehöre ich ja schon eher zu den älteren Semestern. [Schmunzelt].

 

Ernest Plej: Von mir gibt es da ein klares Ja. Ich könnte mir Neuseeland als Nächstes vorstellen.

 

Die GRENKE Auswanderer

 

ERNEST PLEJ

… ist 36, kommt aus der Nähe von Maribor, Slowenien. 2010 ist er bei Grenke eingestiegen und hat die Franchisegesellschaft im slowenischen Ljubljana aufgebaut. Seit April 2015 baut er die Franchisegesellschaftfür den kroatischen Markt auf.

 

PAULO ALVES

… ist 40, stammt von der Insel Madeira in Portugal, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Bei Grenke hat er seine Karriere 2009 in Leiria in Portugal gestartet. Seit September 2014 baut Alves für Grenke die Franchisegesellschaft in Santiago de Chile auf.

 

FRANK ZIEGLER

… ist 49, wuchs in Bühl auf und ist verheiratet. Seit 1995 ist er bei Grenke und war dort schon in verschiedenen Positionen tätig. 1999 bis 2003 hat er das Thema Leasing in die Schweiz gebracht. Seit 2010 ist er wieder in der Schweiz, diesmal mit Factoring.